Thursday, December 1, 2015

Therapie bei Doktor Flipper

Februar 4, 2011 von admin  
Eingetragen bei Gesundheit

In den letzten Jahren werden Tiere vermehrt als Therapeuten eingesetzt. Eine ganz besondere Rolle bei der tierunterstützten Behandlung kommt den Delphinen zu. Denn sie entwickeln in der Begegnung mit ihren kleinen Patienten fast magische Kräfte.

Wer erinnert sich nicht an Flipper, diesen witzigen, frechen, hochintelligenten Meeresbewohner, der an der Küste Floridas seine Faxen machte? Und wer erinnert sich nicht an seine legendär gewordene Freundschaft mit einem Jungen – eine Freundschaft, die fast menschliche Züge trug? Gedreht wurde der Quotenrenner damals in Grassy Key, einer Koralleninsel im Sunshine State. Heute ist der Hauptdrehort einer der sechs weltweit bekannten Therapiezentren, in denen Delphine ihren meist kindlichen Patienten helfen, mit einer Behinderung fertigzuwerden. Denn wer damals dachte, dass die sensationelle Intelligenz des eleganten Flossenträgers ein filmischer Trick war, der täuscht sich. Delphine sind, das ist heute durch zahlreiche Forschungen belegt, die wohl schlauesten Tiere überhaupt, vielleicht sogar schlauer als der Mensch. Der Meeresforscher Professor Ulrich Jürgen Heinz jedenfalls ist überzeugt davon: Für ihn sind Delphine die intelligentesten Lebewesen unseres Planeten. Den Grund hierfür vermutet er im Alter der Spezies. Denn bereits zuzeiten der Dinosaurier hatten Delphine ihre evolutionäre Entwicklungsstufe erreicht, während andere Arten ausstarben oder ihr Muster veränderten. Mögen ihre hohe Intelligenz und ihre verblüffende Flexibilität nun mit ihrem Alter zusammenhängen oder nicht – fest steht: Delphine kommunizieren untereinander, und dies auf einem Niveau, das dem menschlichen teilweise überlegen ist. Weg aus der Sprachlosigkeit Genutzt wird diese Fähigkeit bei der sogenannten „Delphin-Therapie“, die vor allem bei Kindern mit geistiger oder körperlicher Behinderung greift. Bereits in den sechziger Jahren erkannte der New Yorker Psychiater Dr. Boris Levinson, dass Tiere bei Menschen mit neuralgischen Erkankungen therapieunterstützend wirken. In den späten Siebzigern war es dann die Anthropologin und Erziehungswissenschaftlerin Dr. Betsy Smith, die innerhalb eines Forschungsprogramms erstmalig Delphine bei der Behandlung autistischer Kinder einsetzte. Das Ergebnis war beeindruckend: Die Kinder, die sich sonst fast ausschließlich in sich selbst zurückzogen, öffneten sich den sensiblen Meerestieren mehr, als sie dies je bei einem Menschen getan hätten. Ihre Konzentrationsfähigkeit, zuvor auf einen Zeitrahmen von ca. zehn Minuten beschränkt, erhöhte sich bis zu einer vollen Stunde. Wie Betsy Smith es selbst formulierte, wirkten die Kinder glücklicher, denn den Delphinen war es gelungen, einen „positiven Zugang zu ihrer stillen Innenwelt zu finden“ (Smith). Beeindruckend in diesem Zusammenhang war vor allem die Arbeit mit einem 18jährigen autistischen Jugendlichen, der bis zum Augenblick seines ersten Delphinkontakts nie ein Wort gesprochen hatte. Ganze vier Wochen schwamm der Junge mit den Tieren. Schon nach wenigen Tagen versuchte er das Klick-Geräusch der Meeressäuger zu imitieren, also in ihrer Sprache zu kommunizieren. Besonders zu einem der Delphine entwickelte der Jugendliche eine innige Beziehung – es war für ihn der erste zärtliche Kontakt seines Lebens. Sein ganzes Verhalten entspannte sich, auch seine Konzentrationsfähigkeit stieg merklich an. Die Anthropologin dokumentierte diese aufsehenerregende und rührende Freundschaft zwischen einem behinderten Menschen und einem fast magischen „Doktortier“ in einer bewegenden Videoaufzeichnung.

Sensible Vermittler zwischen Arzt und Patient Seit dieser Zeit wurden weltweit mehrere Therapiezentren eingerichtet, die das Interaktionstalent und den wunderbaren Gemeinsinn der Delphine nutzen. Nicht nur geistig behinderte Kinder werden heute auf diese Weise behandelt, sondern auch Menschen mit Depressionen oder schweren ernstörungen. Allerdings sollte man nicht außer Acht lassen, dass das Delphinschwimmen lediglich eine unterstützende Therapie ist, im Rahmen anderer Behandlungsformen. Vielfach übernehmen die Tiere in der Therapie eine Art „Brückenfunktion“, eine Vermittlerrolle zwischen Patient und Arzt. Denn gerade bei Menschen mit viel Angst vor Nähe wirkt die Begegnung mit den klugen Meeressäugern wie eine Initialzündung für soziale Kompetenz. Mit Delphinen können sie erstmals angstfrei und spielerisch Körperkontakt herstellen, wobei wieder eine bemerkenswerte Fähigkeit der Tiere ins Spiel kommt: Delphine besitzen ein hochempfindliches Ultra-Sonar-System und unterhalten sich untereinander mit Hilfe eines sogenannten „Peilstrahls“. Mit diesem Peilstrahl können sie ihr Gegenüber und seine Gehirnstruktur „erkennen“ – sie sind praktisch in der Lage, die Schwingungen einer Person zu erfassen. Hat ein Kind zum Beispiel sehr viel Angst, so nähert sich ein Delphin automatisch langsam und respektvoll – bis das Kind Vertrauen gefasst hat und es zu einer ersten Berührung kommt. Es ist dies wortlose Verstehen, das den Kindern die Furcht nimmt und das so heilend auf die Psyche wirkt. Das Kind fühlt sich vom Tier restlos angenommen und fasst so Vertrauen in die eigenen Kräfte. Und natürlich ist es aufregend, mit einem Delphin zu schwimmen, sobald die ersten Ängste überwunden sind! Dieses Schwimmen im Meer, zusammen mit einem Gefährten, der „in seinem Element“ ist, ist für Professor Erwin Breitenbach von der Uni Würzburg mit einer der Gründe, weshalb Delphintherapien so unterstützend wirken. Im Urelement Wasser verbinden sich Mensch und Tier zu einer Einheit, überwinden die Gefühle von Abgetrenntheit und Isolation. Dazu trägt häufig auch die Urlaubsatmosphäre bei, die in den Therapiezentren herrscht: Erstmals haben Eltern behinderter Kinder die Möglichkeit, „loszulassen“, ihr Kind einem anderen Lebewesen anzuvertrauen, zu erleben, dass sich Ängste und Blockaden lösen. Diese Stressreduktion wirkt wieder auf das Kind zurück – Kind-Delphin-Therapie ist mittelbar auch Elterntherapie. Aber auch bei körperlichen Behinderungen haben sich Delphintherapien hervorragend bewährt. Häufig stellt sich ja bei Patienten mit körperlichen Störungen über kurz oder lang eine gewisse Therapiemüdigkeit ein. Dagegen ist das Schwimmen mit Delphinen hochmotivierend, gerade auch für Menschen, die aufgrund ihrer Einschränkung schwermütig und depressiv wurden. Viele Patienten schildern ihre Glücksgefühle, die sie in Gesellschaft der intelligenten Meeresbewohner empfanden, viele fühlten sich gar ergriffen oder bewegt von der Behutsamkeit, mit der die Tiere auf sie zugingen. Therapie bei Doktor Flipper – das ist kein modernes Märchen, das ist Wirklichkeit. Und die beweist wieder einmal, dass der Mensch nicht die Krönung der Schöpfung ist. Sondern, dass wir von den Tieren viel lernen können – sehr viel. Umfassende Informationen finden Sie unter www.delfine.net

  • doktor flipper
  • Gesundheit was wir von den Tieren lernen können

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Kommentare

Eine Antwort to “Therapie bei Doktor Flipper”
  1. Hauke sagt:

    Lehrreicher Blogpost. Cool, wenn man sowas auch mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.

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