Tuesday, August 9, 2015

Hypnose: Heilung durch das Unbewusste

Februar 12, 2011 von admin  
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Tranceheilungen wurden schon im Altertum praktiziert. Schamanen, Priester und Ärzte weckten über das Unterbewusstsein die Selbstheilungskräfte. Heute erlebt diese Art der Therapie eine ungeahnte Renaissance: Mit der klinischen Hypnose werden vor allem Patienten mit psychosomatischen Leiden behandelt. Und das meist mit großem Erfolg.

Die machtvolle Wirkung der Suggestion tritt heute verstärkt ins Bewusstsein: Mit positiven Gedanken, so weiß man, können Leib und Seele oft besser geheilt werden, als mit teuren Arzneien und einer lieblosen medizinischen Versorgung. Und so wird denn auch die klinische Hypnose mehr und mehr bei Erkrankungen eingesetzt, die ihre Ursache im emotionalen Bereich haben, bei traumatischen Kindheitserlebnissen, bei Angstkrankheiten (Phobien) oder psychosomatischen Beschwerden. Historisch gesehen wird die Hypnose bereits seit mindestens dreitausend Jahren ausgeübt. In Ägypten fand sich beispielsweise eine uralte Papyrusrolle mit Anleitungen zu einer Hypnose-Methode, die bei uns heute noch als „Fixations-Induktion“ (Einführung) bekannt ist. Hier wird der Patient angewiesen, eine glänzende Metallscheibe zu betrachten – die Folge dieser starken Konzentration sind Ermüdungszustände, die alsbald in den Trancezustand führen. Im antiken Griechenland pflegte der Arzt Asklepiades seine Patienten in einen Heilschlaf zu versetzen und ihnen währenddessen Anweisungen für ihre Gesundung zu erteilen. Auch die Mönche des frühen christlichen Mittelalters bedienten sich noch der Tranceheilung – während des sogenannten Tempelschlafs stärkten sie ihre Selbstheilungskräfte. Doch bald schon verbot die offizielle Kirche solch „heidnischen Humbug“, und so macht die  Geschichte der Hypnose, zumindest was unsere westliche Hemisphäre betrifft, einen gewaltigen Sprung: Mit dem Wiener Arzt Franz Anton Messmer (1734 – 1815) trat die Möglichkeit der Therapie durch künstlich hervorgerufene Trancezustände wieder ins öffentliche Bewusstsein. Obwohl von der Wissenschaft als Scharlatanerie verspottet, fand der „Messmerismus“ auch großen Zuspruch in Deutschland. Hier wurden im 18. Jahrhundert erstmalig Trance-Operationen vollzogen, ohne Narkose, versteht sich. Schmerzlindernd wirkte allein die suggestive Macht der Gedanken, die den Patienten in andere Vorstellungswelten entführte. Kurze Zeit später begann die wissenschaftliche Erforschung der Hypnose und damit zumindest teilweise ihre Anerkennung als unterstützende Therapie.

Trance ist wissenschaftlich  messbar
In den 90iger Jahren des letzten Jahrhunderts begann man die Vorgänge, die sich im Gehirn während des Trancezustandes ereignen, eingehend zu messen. So gelang es beispielsweise mit einer hochtechnischen Computer-Anlage (ein so genanntes CATEEM), flächendeckend die Gehirnströme zu erfassen und die Gehirnwellen in farblichen Kodierungen sichtbar zu machen. Dabei wurde festgestellt, dass alle Nervenströme, die Alpha-, Beta-, vor allem aber die in einem sehr niedrigen Frequenzbereich liegenden Deltawellen im hypnotischen Zustand verstärkt produziert werden. In erster Linie sind es die Deltawellen mit 4 Hertz, die für den wohlig entspannten Zustand sorgen – sie werden normalerweise nur im Tiefschlaf erzeugt. (Indische Yogis produzieren bei ihren Meditationen fast ausschließlich Delta-Wellen, das haben wissenschaftliche Messungen erwiesen) Auch kommt es im Zustand der Hypnose zu einer stärkeren Durchblutung des vorderen Gehirns, vor allem der rechten Gehirnhälfte. Die Atemfrequenz wird stark vermindert, der Blutdruck senkt sich, und die Produktion des Stresshormons Katecholamin wird stark herabgesetzt. Nun ist aber der Zustand der Hypnose keinesfalls mit dem des Schlafs identisch. Der Hypnotisierte weiß trotz der imaginierten Situation nach wie vor, dass er sich auf einem Stuhl und in der Realität befindet. Dennoch gelingt es ihm, kraft seines Unbewussten, aus der Situation „herauszutreten“ und die suggerierte Phantasie zu erleben als sei sie real. Und genau diese Tatsache, nämlich die Unfähigkeit unseres Unterbewusstseins, Mögliches vom Tatsächlichen zu unterscheiden, macht sich die seriöse klinische Hypnose zunutze.

Die Hypnose-Induktion
Um den Patienten in einen hypnotisierten oder tranceartigen Zustand zu versetzen, gibt es verschiedene Induktionsmethoden, die praktisch von jedem angewendet werden können. Es ist also ein reines Ammenmärchen, wenn man dem behandelnden Hypnose-Arzt magische Kräfte, oder schlimmer, schwarzmagische Kräfte andichtet. Weder Zauberkraft in der Stimme noch im Blick sind Auslöser der Trance, sondern künstlich herbeigeführte Ermüdungszustände, die alsbald in Trance übergehen. Drei der gängigsten Methoden seien
hier erwähnt: Viele Ärzte bedienen sich der eingangs erwähnten „Fixationsmethode“, die über die Augen funktioniert. Der Patient muss einen bestimmten Punkt ohne Lidblinzeln dauerhaft anstarren. Alsbald wird das Bild verschwommen, Dunkel und Hell können nicht mehr klar unterschieden werden. Dieses Starren ist anstrengend – dürfen die Augenlider endlich geschlossen werden, setzt eine tiefe Entspannung ein. Ein anderer Weg zur Trance führt über die Konfusion: Mit monotoner Stimme trägt der Arzt sinnlose und konfuse Sätze vor, so dass der Patient irgendwann „abschaltet“, d.h. das Bewusstsein ausschaltet. Ein dritter Weg geht über Musik und Entspannungsübungen, doch reagieren sehr kontrollierte Menschen auf diese eher weichen Vorgaben unter Umständen mit starken Blockaden. Zusammenarbeit von Arzt und Patient Bei jeder seriösen Hypnose wird das Behandlungsziel vor den Sitzungen ausführlich besprochen. Es ist also keinesfalls so, dass der Patient dem Arzt willenlos ausgeliefert ist. Genaue Anamnesen und Rückfragen im bewussten Zustand ermöglichen dem behandelnden Hypnotiseur, sich ein Bild zu machen und während der Trance einfühlsam zu agieren. Der Arzt ist Verbündeter, er stellt Kontakt zum Unterbewusstsein her und hilft durch seine Suggestionen, falsch gelaufene emotionale Verknüpfungen behutsam aufzulösen. So kann er beispielsweise negative Glaubenssätze langsam durch positive Bilder und Inhalte ersetzen. Angenommen, ein Mädchen neigt zum übermäßigen Essen oder umgekehrt zur Magersucht: Hinter beiden Krankheitsbildern steht meist die unbewusste Angst, zur Frau zur werden. In der Tiefenentspannung legt der Hypnotiseur solche verborgenen Schichten frei und suggeriert  dann dem Behandelten positive Gegenbilder. Dieser Prozess ist langsam, aber äußerst effektiv, da das Unterbewusstsein unmittelbar auf diese suggerierten Gegenentwürfe reagiert. Das heißt jedoch nicht, dass unter Hypnose Wunderdiäten geschehen – marktschreierische Versprechungen wie „Traumfigur in zehn Tagen“ sind eine glatte Lüge und verzerren die seriösen Intentionen der klinischen Hypnose. Das gleiche gilt für die Raucherentwöhnung: Entscheidend ist auch hier der bewusste Wille des Klienten. Ohne ein Bündnis mit dem Hypnotiseur, das ganz klar ein Behandlungsziel anpeilt, verfehlt jede Suggestion ihre Wirkung. Doch in den meisten Fällen wirkt die Hypnose ausgesprochen unterstützend beim Entzug; das gleiche gilt für andere Suchtkrankheiten, wie Drogen- oder Alkoholsucht. Sehr effektiv hat sich die Hypnose bei Angstkrankheiten, den sogenannten Phobien,
erwiesen. Ob es sich nun um Höhenangst oder eine Sozialphobie handelt – Auslöser war häufig eine bestimmte traumatische Erfahrung, die im Unterbewusstsein mit der angstauslösenden Situation gekoppelt ist. Durch die Arbeit mit dem Hypnotiseur kann diese tiefste Schicht der Angst freigelegt und damit vom Bewusstsein bearbeitet werden. Auch das ist Arbeit – Wunderheilungen verspricht die seriöse klinische Hypnose eben nicht. Doch setzt sie oft erstaunliche Selbstheilungsprozesse in Gang und ist deshalb ein ernstzunehmender Helfer auf dem Weg zur Gesundheit.

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